Rückblick 2017 - Ausblick 2018

Ein interessantes Börsenjahr ist zu Ende. Mein Forecast für 2017 wurde größtenteils abgearbeitet. Dass, das ganze Jahr über Bullenmarkt herrscht war klar. Die Kursziele wurden alle getroffen und im letzten Quartal in einer Phase der Euphorie sogar deutlich übertroffen. Auch Trump und seine Milliardärsbuddies gehen weiter ihren Weg. Kurz vor Ende des Jahres machten sich die Boys dann wie vorausgesagt, mit einer Steuerreform noch reicher als sie schon sind. Das sie ihre Milliarden nie ausgeben können und ihre nächsten Familiengenerationen auch nicht, druff geschissen. Kugel raus, was wird 2018 an den Märkten abgehen?

Meine Glaskugel ist seit langem mal wieder etwas nebelig. Der endlose Bullenmarkt kommt nämlich in seine Endphase. Denn nochmal so eine Performance wie 2017 ist für 2018 eher unwahrscheinlich. Die globale Wirtschaft rennt teils unter Vollbeschäftigung, die Zinsen sind niedrig und steigen langsam bis garnicht und Meister Draghi und ein paar andere Zentralbänker dieses Planeten, hören nicht auf Geld in das System zu pumpen. Die Fed pumpt nicht mehr, sondern macht das Gegenteil. Sie baut ihren angesammelten, riesigen Anleihenhaufen ab. Zuerst langsam, aber im Laufe des Jahres soll das Abbauen beschleunigt werden. Das wird dem Aktienmarkt die sogenannte Überschussliquidität entziehen. Das bedeutet, es ist immer weniger "free money" für die Banken da, um damit Assets zu kaufen. Auf der einen Seite haben wir also Zentralbanken die so weitermachen wie bisher(Geld drucken), und auf der anderen Seite steht die größte und mächtigste Zentralbank der Welt, die es genau anders macht(Geld einziehen). Klingt nach Patt und das klingt nach seitwärts. Und das wiederum klingt nach erhöhter Volatilität.

Da an der Börse die Zukunft gehandelt wird, dürfte der Großteil des Booms schon in den Kursen enthalten sein. Und wenn an den Börsen die Luft raus ist, keine Impulse und keine neuen Hochs mehr kommen und es seitwärts tendiert, sucht man Nachrichten die für steigende Kursen sorgen könnten. Und dabei findet man alles was die Analysten der Deutschen Bank für 2018 als Gefahr für die Märkte ausgemacht haben.

Crisis for 2018
Wie sieht es charttechnisch aus? Auf Allzeithochs und in Euphoriephasen gibt es fast nichts in den Charts zu analysieren. Der Weg nach oben ist quasi frei. Neue Hunderter- oder Tausendermarken werden in den Indizes in Rekordzeit erreicht und Korrekturen sind so gut wie immer eine Kaufgelegenheit. Der RSI(14)-Indikator steht auf völlig überkauft und hat wie viele andere charttechnischen Indikatoren kaum noch eine Wirkung. Es handelt sich somit um einen Markt für den Börsenspruch: "In einem Bullenmarkt wird jeder zu einem Guru!" Denn selbst wenn man dumm ist wie ein Feldweg, kann man in so einem Markt Geld verdienen. Irgendwas kaufen, warten, Geld verdient. Trotzdem mal ein Blick auf die Charts, um zu sehen wie der Wahnsinn abgeht.

Der SPX hat meinen schon im letzten Jahr präferierten langfristigen Kanal nach oben verlassen. Das spricht für Stärke, zeigt aber auch Übertreibung. Der Nasdaq- und der Dow Jones-Chart sehen genauso aus. Trendkanäle verlassen, Wahnsinn eingeläutet. Mein Trendmodell steht logischerweise überall auf Uptrend und ohne einen Crash kann es Monate dauern, bis der aktuelle Trend sich umkehrt. Interessant ist beim SPX nur die extrem lange Widerstandslinie, die ihren Ursprung irgendwo Anfang der 80er- bzw. Ende der 70er-Jahre hat.


Der DAX hingegen ziert sich schon seit Wochen und pendelt um die 13.000er-Marke. Die 17 Jahre alte Linie vom Allzeithoch im Jahr 2000 entpuppt sich als harter Widerstand. Er muß deutlich über 13.500 steigen, um 14.000/14.500 ins Visier zu nehmen.


Fazit: Die Notenbanken arbeiten momentan konträr. Die EZB und ein paar andere geben weiter geldpolitisch Gas, während die Fed den Rückwärtsgang reinhaut. Das riecht nach Getriebeschaden. Dran denken: Die Börsen nehmen diese Entwicklung vorweg! Charttechnisch steht alles weiter auf Uptrend, aber sehr lange Linien über Jahrzehnte gezogen, blocken gerade. Bis ein Umdenken einsetzt kann es dauern. Die Gier ist bekanntlich stärker. Der legendäre schwarze Schwan wartet auf dem aktuellen Börsenniveau auch an jeder Ecke. Wo er sich versteckt, ist die große Unbekannte Nr.1 und wann er losflattert ist die große Unbekannte Nr. 2. Michael Burry, übernehmen Sie!

Wünsche allen einen guten Rutsch ins Jahr 2018!

Grundlegende Regeln für Swingtrader von Linda Bradford-Raschke

Mit ihren 50 Tradingregeln hat Linda Bradford-Raschke ja schon alles gesagt. Und da dieser Blog fast nur noch wegen diesen 50 Regeln besucht wird, gibts jetzt einen Nachschlag. Deswegen hier nochmal eine kleine Zusammenstellung von Regeln für Swingtrader. Das Day-, Swing- und Positionstrader unterschiedlich am Markt für den Erfolg agieren müssen, sollte klar sein. Vieles trifft zwar auf alle Trader zu, aber man sollte alle drei Tradingarten völlig separat behandeln. Nicht umsonst gibt es den Spruch: "Positionstrades sind meistens schiefgegangene Daytrades!". Was bedeutet, dass ein Daytrader eine Minusposition aufgebaut hat deren Buchverluste am Ende des Tages so schmerzen, dass er sie "erstmal" behält. In der Hoffnung, am nächsten Tag irgendwie noch heil aus der Sache herauszukommen. Dabei kann es (und wird es oft!) aber passieren, dass er diese Position über Tage oder sogar Wochen im minus behält, wenn es richtig schlecht läuft.
Beim Lesen der Regeln wird man schnell erkennen, dass sie für Daytrader eher weniger wichtig und für Positionstrader bzw. Investoren eher unwichtig sind.

  1. Wenn Dein Einstieg richtig ist, sollte sich der Markt fast sofort in die präferierte Richtung bewegen. Er kann vielleicht noch einmal zurückkommen und Deinen Einstiegspunkt testen und eventuell sogar etwas darunter fallen, aber das ist okay.
  2. Halte Verliererpositionen nicht über Nacht. Steige aus und handel am nächsten Tag bessere Positionen.
  3. Ein starker Schlußkurs deutet auf eine starke Eröffnung am nächsten Tag hin.
  4. Wenn sich der Markt nicht wie erwartet bewegt, beende den Trade nach der ersten Reaktion.
  5. Wenn Dir der Markt in einem Glücksfall große Gewinne bietet, kassiere sie bis zum Schlußkurs.
  6. Wenn Du long bist, der Markt Breakeven schließt und eine tiefere Eröffnung am nächsten Tag andeutet, dann schließe den Trade mit einem Minigewinn oder auch im Minus. Handel bessere Positionen am nächsten Tag.
  7. Es ist immer okay sehr kleine Gewinne mitzunehmen!(Im Englischen heißt das "to scratch a trade". Also bei Nichtgefallen des Trades die Position zu schließen, auch wenn man nur einen Cent im Plus ist. - mz)
  8. Nutze enge Stopps wenn Du Swingtrading betreibst und weite Stopps, wenn Du einen Trend handelst.
  9. Das Ziel ist es immer das Risiko zu minimieren und "Geschenke"(vom Markt) zu bekommen.
  10. Wenn Du anfängst zu zweifeln - steige aus! Dann hast Du Deinen Leitfaden und Deinen Handelsplan verloren!
  11. Benutze Market Orders. (Ok, dass kann man jetzt sehen wie man will. - mz)
  12. Wenn der Trade nicht funktioniert, steige nach der ersten Reaktion aus.
  13. ANTIZIPIERE!
LBRGroup

    

Noch läuft es wunderbar...

Im Wahlprogramm der CDU ist zu lesen, dass man in Deutschland eine Vollbeschäftigung bis 2025 anpeilt. Das finde ich ziemlich fahrlässig, denn anscheinend hat sich in dieser Partei niemand Gedanken über die sich rasant verändernde Arbeitswelt gemacht. Außerdem scheint man bei der CDU davon überzeugt zu sein, dass man die schon seit Jahrzehnten üblichen Wirtschaftszyklen einfach abschalten kann. Tausende von Arbeitsplätzen werden aufgrund von Digitalisierung und Automatisierung durch Algorithmen ersetzt. Das bedeutet zum Beispiel für die Bankenwelt, dass ein Mitarbeiter der nicht mehr benötigt wird, auch bei einer anderen Bank oder Sparkasse nicht mehr gebraucht wird, da die Digitalisierung den ganzen Bankensektor betrifft.
Da ein Unternehmen aber nicht 1.000 Stellen in einer Woche streicht, sondern der Abbau sich über Jahre ziehen kann, kann man sich anhand der folgenden Linkliste denken was bis 2025(Jahr der Vollbeschäftigung!) in diesem Land und Europa so ablaufen wird. Für Aktionäre natürlich super, denn je mehr Malocher man rauswirft, desto mehr Geld bleibt am Ende übrig! Im Prinzip sieht die Zukunft irgendwie so aus, dass Computer sehr viel Arbeit für uns erledigen und wir den ganzen von Robotern produzierten Plunder, mit unseren Dividenden und von Hartz IV kaufen. Natürlich online, weil wer verlässt denn noch freiwillig die eigene Hütte? Draußen ist eh nichts mehr los und mehr als Amazon, Facebook und Google braucht kein Mensch. :-D

20. April 2016: Intel streicht 12.000 Jobs bis Mitte 2017

23. Juni 2016: Deutsche Bank schließt jede vierte Filiale, 3.000 Jobs

18. August 2016: US-Netzwerkkonzern Cisco plant massiven Stellenabbau, 9.000 bis 14.000 Jobs

29. September 2016: Commerzbank streicht 9.600 Stellen

03. Oktober 2016: Niederländische ING streicht 7.000 Jobs

18. November 2016: VW baut weltweit 30.000 Stellen ab, 23.000 davon in Deutschland

16. Januar 2017: Lufthansa-Catering-Tochter plant weiteren Stellenabbau, 2.000 Jobs

04. Februar 2017: Daimler plant Stellenabbau bei Verbrennungsmotoren - "Für den Bau eines Antriebs wird beim E-Auto nur ein Siebtel der Beschäftigten benötigt."

15. März 2017: E.on streicht nach Rekordverlust 1.300 Stellen

24. April 2017: SAP plant Stellenabbau

11. Mai 2017: Digitaler Wandel: Siemens streicht 2.700 Jobs

16. Mai 2017: Um Gewinne zu erhöhen, will Ford einem Medienbericht zufolge weltweit bis zu 20.000 Stellen streichen.

16. Juni 2017: Nike streicht 1.400 Jobs

23. Juni 2017: Digitalisierung kostet 700 Jobs bei der Allianz

29. Juni 2017: Bombardier will bis zu 2.200 Stellen in Deutschland streichen

05. Juli 2017: Vodafone will 1.000 Stellen in Deutschland streichen

07. Juli 2017: General Electric baut in Birr 100 Stellen ab – Besserung ist nicht in Sicht

11. Juli 2017: Essener Stahlriese Thyssen-Krupp will 2.500 Stellen streichen

11. Juli 2017: In der IT-Sparte Allianz Technology sollen 300 der rund 2.000 Mitarbeiter in Deutschland gehen


Um nicht nur die Big Boys der Industrie aufzuzählen, hier mal ein paar kleinere Unternehmen.

30.Juni 2017: Der Pharmakonzern Grünenthal will sich neu organisieren. Weltweit sollen bis zu 350 Stellen abgebaut werden.

30. Juni 2017: DaWanda kündigt massiven Stellenabbau an

30. Juni 2017: eSport-Veranstalter ESL baut Personal ab

03. Juli 2017: Cinram Alsdorf informiert Mitarbeiter zum Stellenabbau

Jetzt hab ich keine Lust mehr, es sind einfach zuviele Firmen die Leute rauswerfen. Und während ich das hier schreibe, meldet die Alno AG, einer der größten Küchenhersteller der Welt, Insolvenz an.

Zwischencheck vorm grande finale

Die letzte Prognose zum SPX ist zu 100% eingetreten. Der Pullback wurde vollzogen, der Ausbruch bestätigt, das Gap geschlossen und anschließend die 2450 erreicht. Jetzt heißt es Ziele im luftleeren Raum finden, denn (horizontale) Widerstände gibt es nach Allzeithochs nicht. Dafür muß ich den Artikel "Rückblick 2016 - Ausblick 2017" von Ende Dezember 2016 herauskramen. Die oberen Linien der ultralangen Trendkanäle, welche nach dem großen Crash 2008 begonnen haben, kommen nun in greifbare Nähe. Manche Indizes haben sie schon erreicht, oder sogar überschritten. Der Haken ist, dass schräge Linien oder Kanäle oft sehr ungenau sind. Denn von zehn Händlern sehen zehn zwar den Kanal, aber jeder hat womöglich andere Auflagepunkte.
Done!

Zuerst einmal kurz zusammenfassen was fundamental so gelaufen ist. Einige Wirtschaftsdaten in den USA waren in den letzten Wochen die schlechtesten seit 1,5 Jahren und die Aussichten was das GDP betrifft, sind auch schlecht. Trump ist für die USA mehr eine Belastung, als ein Präsident. Saudi-Arabien und der Iran machen Stress mit Katar. Venezuela ist pleite. Brasilien hat Stress. Italien hat zwei neue Bankpleiten, während das Land von der EZB am Leben gehalten wird. Frankreich geht´s nur etwas besser. Die britischen Neuwahlen waren ein Fiasko und der Brexit wird hart für Großbritannien.
Bayer hat eine Gewinnwarnung ausgesprochen und die deutschen IPOs kacken fast alle ab. Gleichzeitig ist die Stimmung in Deutschland so gut wie seit 2001 nicht mehr. Nebenbei beleihen in China Zocker ihre eh schon auf Kredit gekauften Aktiendepots, während in den USA die Anzahl der neueröffneten Brokerkonten weiter steigt. Und last but not least, die amerikanische Fed erhöht weiter die Zinsen und die EZB steht wie erwartet, kurz vorm Tapering. Vor diesen Hintergründen haben die Aktienmärkte neue Allzeithochs markiert, während der Angstmesser $VIX in Tiefen gefallen ist, die man seit 2006 nicht mehr gesehen hat. Mittlerweile muß man schon fast nach positiven Dingen für die Märkte suchen, während man die negativen an allen Ecken findet. Trotzdem wird an den Börsen die beste aller Welten abgefeiert.

Der Dow Jones hat die große Kanallinie schon erreicht und ziert sich seit Wochen sie nachhaltig zu überwinden.

Im Nasdaq 100 wiederum treiben die sogenannten FAANG-Aktien(FB, AMZN, AAPL, NFLX, GOOG) und andere Tech-Schwergewichte den Index in Höhen jenseits von Gut und Böse. An der oberen Trendkanallinie wurde nur kurz hin- und hergependelt, bevor es sehr dynamisch weiter rauf ging. Auch hier kann man sagen, dass eine handvoll Ausreißeraktien einen Index bestehend aus 100 Werten, ohne weiteres aus seiner charttechnischen Logik herauskatapultieren können. Da geht der Wahnsinn schön ab! Genau wie Ende der 90er Jahre. Für alle die es nicht wissen, in der damaligen Techmania wurden aufgrund ihrer Bewertung, immer mehr klassische deutsche Unternehmen aus dem DAX geworfen und gegen vermeintlich bessere Techwerte ersetzt. Diese Aktien alleine haben dann den DAX in den Himmel getrieben.


Der SPX hingegen ist mit seinen 500 Werten, in denen die o.g. Aktien natürlich auch enthalten sind, etwas breiter aufgestellt. Die starken Tech-Aktien treiben den SPX zwar auch, aber es gibt dort genug Werte die fallen und somit die starke Rally der Techwerte in der Indexberechnung etwas bremsen. Deswegen hat es beim SPX etwas länger gedauert das obere Kanalende zu erreichen.


In den deutschen Medien liest man zurzeit häufiger, dass man an einem Aktieninvestment ja eigentlich nicht vorbeikommt heutzutage. Gleichzeitig liest man woanders, dass die Anzahl deutscher Aktionäre steigt. Nebenbei gibt Markus "n-tv" Koch in der BILD-Zeitung Anlagetipps. Auch hier, alles wie Ende der 90er Jahre. Denn wenn der DAX über 9000 Punkte gestiegen ist, ist genau der richtige Zeitpunkt Aktien zu kaufen! Diesmal ist eben alles total anders, auch am Immobilienmarkt. Keine Blasen weit und breit. Deutschland ist nämlich einfach das geilste Land der Welt! hehe... Das die EZB mit ihrer Geldpolitik Italien und Portugal am Leben hält und gleichzeitig damit in Deutschland ein am Anschlag brennendes Wirtschaftsfeuerwerk mit Benzin löscht, erwähne ich nur. Der wirtschaftliche Absturz wird dann oft um so heftiger. Im Chart bin ich mit der oberen Linie nachträglich bis ins Jahr 2000 zurückgegangen. Und siehe da! Jetzt will ich die Börsenparty aber nicht weiter als Spielverderber stören.


Fazit:
Die Luft ist dünn. Alle Kursziele wurden soweit erreicht. Um die letzten Punkte bis zum endgültigen Top, können sich die schwachen Hände kloppen. Der Letzte macht dann das Licht aus.

Und da man für den Untergang die richtige Mukke braucht, hier noch die inoffizielle Hymne dieses Blogs.



Paul Rotter - König der Eurex

Im deutschen Internet laufen zum Thema Börse und Trading ja fast nur noch Spinner und Opfer herum. Bei den Amerikanern zwar auch, aber die können im Gegensatz zu uns eine sehr lange Börsentradition vorweisen, welche nicht gerade wenige hocherfolgreiche Trader hervorgebracht hat. Eine deutsche Börsentradition hat es nie gegeben. Ab Mitte der 90er Jahre wurden mal kurz alle deutschen Privatleute von den Profis in den Markt gesogen, durchgekaut und bis ins Jahr 2003 ärmer wieder ausgespuckt. Das war´s dann für die nächsten Jahrzehnte mit dem Thema Börse + Privatleute. Was sich seitdem dort mit Zertifikaten, OS, CFD, FX, binären Optionen und hastenichtgesehen Müll herumtreibt, kann man nicht ernst nehmen. Und weil viele langsam selber merken, dass das alles Käse ist der nichts oder kaum was bringt, werden sie neuerdings Trading-Coach. Da man den größten, deutschen Trader aller Zeiten aber nicht vergessen und vorallem kennen sollte, habe ich mal das 13 Jahre alte Interview mit Traderlegende Paul Rotter rausgekramt.
Paul Rotter ist mit neun Jahren aus der damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland gekommen. Hat später dann bei einer Bank ein bisschen was gelernt und sich dort an jemanden gehängt der wirklich handeln konnte. Rotter war in seinen besten Zeiten ein Extremscalper in den deutschen Zins-Futures an der Eurex. Aufgrund seiner Strategie wurde er "Der Flipper" genannt. Im Prinzip hat er damals Hochfrequenzhandel per Hand betrieben. Respekt! Oft hat er bis zu 250.000 Kontrakte pro Tag(!) gehandelt. Damit hat er $65-70 Millionen im Jahr verdient. Zehn fucking Jahre lang. Rotter ist kein Trading-Coach, kein Seminarhansel, kein Buchautor und er ist auch nicht bei Twitter, Facebook, Youtube, Instagram oder in Börsenforen unterwegs. Keine Zeit, er muß handeln. Weil er´s kann. Paul Rotter hat eine Vermögensverwaltung. Natürlich auf den Bahamas, weil es da schöner ist als in Deutschland, in der Schweiz und in Dubai.

Paul Rotter hat geschafft, wovon 99,9 Prozent der Marktteilnehmer träumen. Er gehört zu den besten Tradern der Welt und ist einer der so genannten "Big Player" an der Eurex. Seine Gegenspieler nennen ihn ehrfurchtsvoll "Mr. Big". Mit Tagesumsätzen, die im Durchschnitt bei 150.000 Roundturns, an Spitzentagen sogar bei 250.000 Roundturns in den Zins-Future (Bund, Bobl, Schatz) pro Tag liegen, nimmt Rotter einen prominenten Platz in der virtuellen "Hall of Fame" der Eurex ein und verweist selbst die großen US-Mega-Stars wie Tom Baldwin (Bonds) oder Lewis Borsellino (S&P 500-Pit) auf ihre Plätze.

Um sich die Dimensionen Rotters außergewöhnlicher Leistung zu verdeutlichen, braucht man nur den Wert der von ihm gehandelten Futures-Kontrakte (je 100.000 Euro) als Bemessungsgrundlage heranziehen. Demnach "bewegt" Rotter in den Rentenmärkten bis zu 50 Milliarden Euro pro Tag (= 500.000 Halfturns * 100.000 Euro ). Das sind Beträge, die viele Großbanken im Futures-Bereich nicht in einem ganzen Jahr handeln. Wenn sich die Märkte nur um ein paar Ticks verändern, kann sein Trading-Konto bei seinen größten Positionen schnell mal eben im Wert eines komfortablen Einfamilienhauses mit "nettem" Grundstück steigen oder fallen.
Diese Stellung musste sich Paul Rotter hart erarbeiten. Eine schmerzliche, aber lehrreiche Pleite zu Beginn seiner Karriere, intensive Beobachtung der Märkte, unzählige Research-Stunden vor dem PC und der Wunsch nach ständiger Verbesserung gingen dem Erfolg voraus. Mittlerweile bedient Rotter das Keyboard seines Trading-Rechners so schnell, dass seine Aktionen mit dem bloßen Auge kaum nachzuvollziehen sind.


Herr Rotter, können Sie unseren Lesern kurz schildern, welches Schlüsselerlebnis dazu führte, dass Sie sich plötzlich für die Börse interessierten?

Rotter: Es gab für mich eigentlich kein signifikantes Erlebnis, wie z.B. den Kauf der ersten Aktie. Vielmehr wuchs das Interesse bereits, als ich mir noch keine eigenen Aktien leisten konnte. Ich habe als Schüler bei diversen Börsenspielen mitgemacht und dabei die ersten Erfahrungen gesammelt und Grundkenntnisse erworben.


Wie sind Sie dann zum professionellen Trading gekommen?

Rotter: Während meiner Ausbildung zum Bankkaufmann kam ich zum ersten Mal mit Derivaten in Kontakt, als ich für einige Wochen "Orderexecution" an der damaligen DTB machen durfte. Zu dieser Zeit wuchs bei mir die Faszination für das Screen-Trading, obwohl ich damals im Stile eines "Casinoplayers" Optionsgeschäfte auf meinem Privatkonto tätigte, welche mein ohnehin nicht vorhandenes Kapital stark reduzierten. Mit meinem Privatkonto im tiefroten Bereich habe ich sogar (nicht ganz freiwillig) die Bank verlassen müssen. Ich konnte dann aber gleich danach bei einem japanischen Handelshaus in Frankfurt als Juniortrader anfangen, was sich später als größter Glücksfall meiner Karriere herauskristallisierte. Denn dort durfte ich nach dem "Learning-by-doing"-Prinzip sofort mit einer einstelligen Kontraktzahl ohne weitere Einschränkungen loslegen. Man gab mir sogar ein Jahr Zeit, um profitabel zu werden.


Wie haben Sie die Stelle bekommen? Gab es eine Annonce oder haben Sie sich blind beworben?

Rotter: Ich hatte mich damals blind bei mindestens 50 Instituten in Franfurt und auch in London beworben.


Wurden Sie bei diesem „Learning-by-doing“-Prozeß ins kalte Wasser geworfen oder hat man Ihnen damals einen Mentor zur Seite gegeben, der Ihnen die Grundlagen des Orderbuch-Scalpings beibrachte und Sie coachte.

Rotter: Einen richtigen Mentor hatte ich nicht. Am Anfang konnte ich mich aber mit dem Cheftrader Ajisaka austauschen, der fast jeden Tag Profit machte und sogar die Positionen seines damaligen Chefs "hedgte", wenn er der Meinung war, dass dieser falsch läge. Ich hatte viele lange Gespräche mit ihm über die Marktpsychologie, insbesondere an schlechten Tagen. Das hat mir damals sehr geholfen.


Wie lief Ihr Trading? Waren Sie von Anfang an erfolgreich?

Rotter: Ich habe schon nach sehr kurzer Zeit zirka 100 bis 150 Einzeltrades pro Tag getätigt, was sich bis heute nicht wesentlich geändert hat. Dies hat zwar bei der japanischen Belegschaft zunächst für Kopfschütteln gesorgt, man ließ mich aber weitermachen. Toll war, dass ich in den ersten drei Jahren keinen einzigen Verlustmonat hatte. Erst später, mit stark steigenden Positionsgrößen, habe ich dann hin und wieder "so richtig eins auf die Nase bekommen". Insbesondere zu der Zeit, als die Eurex die ersten Terminals in den USA zuließ und einige neue Big Player in den Markt kamen, wie z.B. Harris Brumfield aus Chicago, musste ich Federn lassen.


Man sagt, dass jeder große Trader mindestens eine große Pleite erlebt haben muss, um ein erfolgreicher Top-Trader zu werden. Wie sah Ihre Pleite aus und welche Lehren haben Sie damals daraus gezogen?

Rotter: Wie bereits erwähnt, hatte ich während meiner Bankausbildung eine "schlechte Phase" auf meinem Privatkonto, wobei ich damals natürlich keinerlei Erfahrung, geschweige denn ein persönliches Risikomanagement hatte. Später waren die ersten siebenstelligen Verlusttage für mich psychologisch belastend. Als ich eines Tages mal bei einer Art "Blackout" über zweieinhalb Millionen Euro in den Sand setzte, war ich kurz davor mit dem Trading aufzuhören. Ich besaß noch genügend Kapital, um unbesorgt leben zu können und wollte mir diese psychischen Nackenschläge eigentlich nicht mehr antun. In dem darauf folgenden, vierwöchigen Urlaub wuchs bei mir jedoch die Motivation, den Kampf wieder aufzunehmen. Ich konnte dann innerhalb relativ kurzer Zeit diesen Verlust wieder wettmachen, so dass ich aus dieser Situation gestärkt hervorgetreten bin.


Hat sich Ihre Einstellung zu den Märkten seither geändert?

Rotter: Mit der zunehmenden Erfahrung bezüglich größerer Verlusttage und darauf folgender guter Phasen hat sich natürlich meine Sensibilität für Verluste verringert. Ich weiß, dass ich sie wieder aufholen kann. Das hat dazu geführt, dass ich an schlechten Tagen schneller bereit bin, das Trading für den Tag einzustellen und mittlere oder kleinere Verluste zu akzeptieren, als die Verluste mit einer Brechstange wieder reinholen zu wollen.


In unserem April-Heft hat die Psychologin Monika Müller ein aufgabenbezogenes Teamrollenmodell von Meredith Belbin vorgestellt, mit dem Trader ihr Rollenprofil festlegen können. Dürften wir Sie bitten, uns Ihr Profil zu erstellen?


Rotter: Macher – Koordinator – Neuerer.


Was zeichnet einen Weltklasse-Trader wie Sie sonst noch aus? Wodurch unterscheiden Sie sich Ihrer Meinung nach von anderen Tradern? Was sind Ihre Stärken?

Rotter: Die Fähigkeit in Gewinnphasen aggressiver zu werden und größere Risiken einzugehen, in Verlustphasen dagegen genau das Gegenteil zu machen. Dies widerspricht normalerweise dem Naturell des Menschen. Am besten man hat eine Person die nichts mit Traden am Hut hat, an seiner Seite, die ab einer vorher festgelegten Verlustsituation den Trading-Terminal abschaltet und den Trader nach Hause schickt.


Sie sind als Orderbuch-Scalper bekannt. Können Sie unseren Lesern kurz erklären, was ein Orderbuch-Scalper macht und wie in etwa Ihre Handelsstrategien aussehen. Welche Taktiken benutzen Sie dabei?

Rotter: Es ist eine Art Market Making, bei dem man gleichzeitig Kauf- und Verkaufsorders im Markt platziert und seine Handelsentscheidungen sehr kurzfristig aufgrund bestimmter Ereignisse im Orderbuch trifft. Die Positionen werden nur sehr kurzfristig gehalten (Scalping = herausschneiden einer kleinen Marktbewegung). Ich habe beispielsweise in mehreren verschiedenen Futures gleichzeitig sehr viele Orders eng am Markt. Die daraus resultierenden Trades egalisieren sich meist ergebnismäßig, weil ich mal etwas kaufe und anderswo etwas verkaufe. Dadurch bekomme ich aber ein sehr gutes Gefühl für die Marktstimmung, um dann gezielt den einen oder anderen großen Trade zu platzieren.


Wie lange halten Sie im Schnitt eine Position?

Rotter: Da ich sehr selten einen "Single-Trade" (= Trade, um die Kursbewegung in eine Richtung auszunutzen) habe, sondern wie beschrieben, meistens immer wieder neue Ausführungen auf beiden Seiten im Orderbuch bekomme (sowohl auf der so genannten Bid-Seite = Käufer als auch auf der Offer-Seite = Verkäufer), habe ich oft stundenlang wechselnde Positionen in verschiedenen Märkten, wobei sich meine Marktmeinung manchmal alle paar Minuten ändert bzw. auch ändern muss. Dies fällt mir relativ leicht, da ich bei meinen Trades meistens sowieso nur auf die nächsten 3 bis 5 Ticks sehe.


Waren Sie während Ihrer professionellen Laufbahn schon immer ein Orderbuch-Scalper oder haben Sie es auch mit anderen Methoden versucht, zum Beispiel Swing- oder Momentum -Trading?

Rotter: Ja, allerdings passe ich mein Trading immer wieder an bestimmte Marktsituationen an. So habe ich an sehr volatilen Tagen natürlich wesentlich weniger Orders im Markt und mache viel mehr Single-Trades, wobei ich diese oft nur für ein paar Sekunden aufrechterhalte.


Sie sind hauptsächlich im Eurex Futures Markt tätig, welche Kontrakte handeln Sie gerne und warum? Gibt es bestimmte Kontrakte, die besser geeignet sind für Orderbuch-Scalper als andere?

Rotter: Ich bin jetzt seit über zehn Jahren in den Zinsfutures der Eurex tätig. Diese Märkte haben sich während dieser Zeit natürlich immer wieder geändert, insbesondere in Bezug auf Liquidität. Für mich ist große Liquidität von Vorteil, andere mögen lieber illiquide Märkte. Das hängt von der Handelsstrategie ab.


Ist Ihre Form des Tradings nur an elektronischen Börsen möglich?

Rotter: Grundsätzlich ja, weil man im Trading-Pit nicht gleichzeitig so viele Orders handhaben kann und man erst nach einem Handelspartner suchen muss, während man in einem elektronischen Orderbuch sofort traden kann und die elektronischen Märkte weniger manipulationsanfällig sind.(Anmerkung mz: Ja, das waren noch Zeiten damals!)


Versuchen Orderbuch-Scalper immer die Stopps im Markt zu finden und auszunehmen?

Rotter: Das ist sicher so, wobei durch die stark steigende Liquidität in den vergangenen Jahren die Stopps nicht mehr so oft schnelle "Spikes" (= plötzliche markante Kursausbrüche) verursachen. Oft sind die Stopps auch nicht mehr dort, wo man sie vermuten könnte, da die anderen Marktteilnehmer auch nicht dumm sind bzw. in den letzten Jahren dazugelernt haben.


Welche Rolle spielt das Risikomanagement in Ihrem Trading?

Rotter: Ich setze mir grundsätzlich Tagesziele und Limits für meine "P&L" (= Profit- und Loss), wobei das wichtigste für mich das Stopp-Limit ist, also die Verlustgröße, bei der ich meine Bildschirme abschalte. Meine größten Positionen liegen im fünfstelligen Kontraktbereich, wobei ich keine speziellen Money Management-Techniken verwende.


Was machen Sie, wenn eine Position plötzlich gegen Sie läuft? Benutzen Sie Stopp-Loss Orders?

Rotter: Ich versuche grundsätzlich meine Positionen immer sofort zu liquidieren, wenn sie gegen mich laufen, wobei dies bei größeren Positionen oft schwierig ist, weil ich den Markt dann natürlich weiter gegen mich bewege und andere Trader eventuell in die gleiche Situation geraten, was die Bewegung noch beschleunigt. Meist kann ich anschließend einen Teil der Verluste aufgrund meines Wissens über das Zustandekommen der Bewegung wieder reinholen.


Warum haben Sie kein Problem damit, Ihre Position zu schließen und sogar in die entgegen gesetzte Richtung zu traden? Sollte ein guter Trader nicht eine Meinung haben und auch dazu stehen?

Rotter: Nein, ganz im Gegenteil. Ein Börsenguru oder Analyst muss vielleicht zu seiner Meinung stehen, aber ein Trader sollte am besten gar keine Meinung haben. Je mehr Meinung man ins Spiel bringt, desto schwerer kann man sich von Verlustpositionen verabschieden.


Welche Rolle spielt die Marktpsychologie für Sie?

Rotter: Ich versuche immer die Psychologie des Marktes zu lesen bzw. zu spüren, um dann meine Entscheidungen zu treffen.


Wie gehen Sie mit störenden Gedanken und Emotionen um?

Rotter: Im Notfall mit einer kalten Dusche oder mit dem Sprung in einen kalten Pool.


Gibt es da einen Trade, der Ihnen besonders in Erinnerung blieb? Wie sah der aus?

Rotter: Vor ein paar Jahren konnte ich durch eine große Verkaufsorder noch größere Stopps im Bund-Future auslösen und innerhalb weniger Sekunden knapp 40 Ticks mit ein paar Tausend Kontrakten verdienen, was heute aufgrund der gestiegenen Liquidität im Orderbuch kaum noch möglich ist.


Wie sieht Ihre Vorbereitung für den Trading Tag aus? Gehen Sie systematisch vor, haben Sie Routinen für den Tagesablauf oder nehmen Sie den Tag quasi wie er kommt?

Rotter: Vor Börseneröffnung bzw. Trading-Beginn überprüfe ich grundsätzlich erst einmal alle Wirtschaftstermine sowie alle möglichen kursbeeinflussenden Ereignisse, die an diesem Tag passieren könnten (z.B. Reden von Zentralbankoffiziellen). Dann versuche ich, alle wichtigen Levels in meinen Märkten festzustellen. Dies geschieht durch eigene Analysen sowie durch das Lesen von Analystenkommentaren. So bekomme ich ein Bild von dem, was eventuell wichtig sein könnte. Die Marktmeinungen anderer Börsenteilnehmer interessieren mich hingegen überhaupt nicht, da man sich nur beeinflussen lassen würde.


Wie sieht Ihre mentale Vorbereitung auf den Tradingtag aus?

Rotter: Es gibt da nichts Spezielles, ich bin grundsätzlich immer motiviert den Kampf aufzunehmen. Ich betrachte das Trading mehr als einen sportlichen Wettkampf und versuche den Gedanken an Geld komplett wegzulassen.


Wie viele Stunden sitzen Sie täglich vor den Bildschirmen und wie viel Zeit nimmt dann das eigentliche Trading in Anspruch?


Rotter: Im Moment sitze ich zirka fünf Stunden ununterbrochen vor dem PC und bin in dieser Zeit auch aktiv. Bei Spezialereignissen können es aber auch schon mal elf Stunden am Stück sein. In dieser Zeit habe ich ständig wechselnde Positionen, außer an sehr umsatzschwachen Tagen.


Das ist sicherlich enorm anstrengend. Wie schaffen Sie es, so lange voll konzentriert zu sein?

Rotter: Das haben sich die japanischen Kollegen, die ja als arbeitswütig gelten, vor zehn Jahren auch schon gefragt. Es ist für mich eine Art Spiel, in das man sich so vertieft, dass die Zeit irgendwie sehr schnell vorüber geht und die Anstrengungen hier mehr im physischen (z.B. Belastung der Augen) als im psychischen Bereich liegt.


Welchen Ausgleich gönnen Sie sich sonst noch für all den Stress?

Rotter: Ich mache viel Urlaub und treibe viel Sport.


Wie sieht Ihre technische Ausrüstung aus? Benutzen Sie eine besondere Handelsplattform, Software oder Soundmachines bzw. Squawk-Boxen?


Rotter: Meine Handelsplattform ist der MD-Trader von Trading Technologies. Daneben habe ich Reuters, Bloomberg, CQG und eine USD-Squawkbox.


Wie funktioniert eine USD-Squawkbox und welchen Nutzen können Sie daraus ziehen?

Rotter: Sie können sich in den USA Kommentatoren anmieten, die ihnen direkt vom jeweiligen Trading-Pit das aktuelle Handelsgeschehen über Lautsprecher mitteilen. Dadurch erfahren sie einige Details über aktuelle Kurse ("Quotes"), Umsätze, Marktteilnehmer und Entwicklungen. Dieser Setup hat für mich den Vorteil, dass ich die "Squawkbox"-Informationen schneller aufnehme, weil ich sie permament höre und nicht erst auf den Bildschirmen danach suchen muss. Die USD-Squawkbox verwende ich, weil die Entwicklung des Euros gegenüber dem Dollar in den letzten Monaten oftmals Einfluss auf die Zinsmärkte hatte. Diese Effekte ändern sich aber auch. So beeinflussen momentan beispielsweise die Rohölpreise den FDAX usw..


Welche Timeframes bei den Charts setzt ein Orderbuch-Scalper wie Sie ein, der im Prinzip doch alle relevanten Informationen aus dem Orderbuch bekommt? Verwenden Sie auch Chartpattern und Indikatoren?

Rotter: In der Regel 5 bis 30 min-Charts, um mir Trendlinien und Indikatoren anzusehen. Allerdings bevorzuge ich meist die zeitlich unabhängigen Point&Figure-Charts, weil mir diese zum Teil klarere Formationen bzw. Chartpattern bieten (z.B. Triple Top). Und bei den Indikatoren schaue ich mir ganz gerne den CCI an, weil dieser auch die Volatilität der Märkte aufzeigt.


Sind Trendlinien, Pivot Points oder Indikatoren usw. für Sie wichtig?

Rotter: Sie sind für mich sogar sehr wichtig, weil ich weiß, dass sich andere Trader daran orientieren und ich damit Informationen erhalte. Meine Handelsentscheidungen treffe ich dann aber nach anderen Kriterien.


Halten Sie es für möglich, dass einzelne Trader einen ganzen Markt beeinflussen können?

Rotter: Nein, meines Erachtens kann ein einzelner Marktteilnehmer die Märkte niemals rund um die Uhr alleine im Griff haben. Es gibt immer mehrere Big Players im Markt. Nehmen Sie beispielsweise den Bund-Future, den umsatzstärksten Futures-Kontrakt der Welt. Es werden fast täglich über eine Million Kontrakte gehandelt. Wenn beispielsweise aus dem nichts heraus ein Trend einsetzt, ohne große Korrekturen zu zeigen, könnte ich mich dagegen stellen wie ich wollte. Ich würde den Markt trotzdem nicht aufhalten können, weil dahinter viel größere Kräfte wirken als ich sie aufbringen kann. Außerdem haben sich seit einiger Zeit so genannte "Analytics"(computergestützte Orderbuch-Scalper) hinzugesellt, die auch mir das Leben schwerer machen. Meines Wissens erforschen sie systematisch die Eigenarten und Verhaltensweisen des Orderbuches und setzen die Erkenntnisse daraus in Form von voll automatisierten Handelssystemen um. Weil sie oftmals in mehreren Märkten gleichzeitig agieren, vermute ich, dass diese Computer-Freaks aus dem vollautomatisierten Spread- und Arbitrage-Handel kommen.


Wie muss ein Trader vorgehen, wenn er es mit der Methodik des Orderbuch-Scalpers versuchen will?

Rotter: Er muss den Markt und das Orderbuch lange Zeit beobachten, um ihn lesen zu lernen bzw. ein Gefühl für die Bewegungsmuster zu bekommen.


Gibt es einen Rat, den Sie unseren Lesern geben können, damit diese erfolgreicher traden können?

Rotter: Man sollte auf jeden Fall nicht halbherzig und nebenbei traden, sondern sehr professionell und gut informiert an die Sache herangehen. Lesen Sie Tradingbücher und besuchen Sie gute Trading-Seminare, um bestens vorbereitet zu sein. Außerdem muss man grundsätzlich davon ausgehen, dass "IMMER ALLES" passieren kann, insofern sollte beispielsweise die Toilette nicht zu fern vom Trading-Desk entfernt sein.


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